PopUpTown

Händler, Handwerker, Kaufleute – der Einzelhandel – prägen seit jeher das Wesen einer Stadt. Dabei haben Läden und Geschäfte nicht nur eine wirtschaftliche Funktion. Sie kreieren die Innenstadt als Ort des Austauschs, des Treffens, des sozialen Miteinanders und eine essentielle Funktion urbanen Lebens. Eine Innenstadt ohne Geschäfte scheint kaum vorstellbar.

Doch die Städte verändern sich. Der Einzelhandel stirbt, die Zeit großer Kaufhäuser ist vorbei. Für die Versorgung muss heute nicht mehr das Haus verlassen werden. Bald wird der Einkauf sogar per Drohne geliefert. Doch wo findet dann sozialer Austausch statt? Die Gastronomie kann dazu sicher einen Beitrag leisten, jedoch gilt es eine große Lücke zu füllen, die auch zur Zeit unbesetzt ist. Im Angesicht der Herausforderungen unserer Zeit, müssen wir einen radikalen Wandel vollziehen: Relokalisierung, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit. Es braucht Möglichkeiten zum Austausch und zur kreativen Entfaltung, zur Diskussion und zur lokalen Produktion. Doch wie kann dieser Wandel gestaltet werden, ohne dass uninspirierte und uninformierte top-down Ansätze neuere Entwicklungen verschlafen? Wie wollen wir zusammenleben? Wie soll Austausch stattfinden? Wie kann Produktion gemeinsam gedacht werden und Wirtschaft lokal gestaltet werden? Und wie lässt sich die alles im Sinne der Nachhaltigkeit vereinen? Das PopUpTown-Festival soll mögliche Antworten geben.

Im September 2017 werden studentische Teams in einem Zeitraum von mehreren Wochen die Stadt der Zukunft real werden lassen. In mehreren über die Stadt verteilten Leerständen werden in Zukunftslaboren soziale Innovationen realisiert. Darin wird die Zukunft unserer Stadt präsentiert, diskutiert und auch ein Stück weit provoziert. In diesem Zusammenhang werden Projektideen gesucht für soziale, ökologische, kooperative, technologische oder pädagogische Vorhaben, die innovativen, aber nichtkommerziellen Charakter haben und innerhalb des Festivalzeitraums mit Laufkundschaft zu verwirklichen sind. Das Festival soll auch ein Rahmenprogramm beinhalten, in dem Veranstaltungen, Diskussionsrunden, Vorträge und Workshops zum Thema „Stadt der Zukunft“ und „Soziale Innovation“ angeboten werden.

Initiiert und überschaut wird das Festival von raumstation3539 eG und flux – stadtimpulse. Im Rahmen des zweisemestrigen Seminars „Think Gießen Out of the Box — Visionen, Leadership, Projektmanagement: Von der Projektplanung bis zur praktischen Umsetzung in kulturellen und sozialen Initiativen Gießens“ des DAAD-geförderten Projekts „Dein Engagement zählt!“ des Akademischen Auslandsamts der Justus-Liebig-Universität Gießen wird sich ab Oktober ein Projektteam aus Studierenden bilden, das die Gesamtorganisation des Festivals in die Hand nimmt. Das Projekt findet in Kooperation mit dem  ZfbK an der Uni Gießen statt. Geplant ist außerdem eine wissenschaftliche Begleitung des Festivals, v.a. in den Bereichen Stadtplanung und -entwicklung sowie Kultursoziologie.

Das PopUpTown-Festival stellt einen Baustein in den Bemühungen der Genossenschaft raumstation3539 dar, durch gezielte Impulse Lebensqualität, Zusammenleben und Resilienz der Stadt Gießen zu verbessern. Dabei sollen insbesondere die Defizite, die sich durch die beiden städtischen Leitbilder Gießens – „Universitätsstadt“ und „Einkaufsstadt“ – ergeben, in Ressourcen umgewandelt werden, die zur Schaffung eines nachhaltigeren und ganzheitlicheren Stadtmodells führen.

Weitere teilnehmende Initiativen:

Ku-Ché

Free School

WG-Flohmarkt